Die Saxophonfamilie besteht aus vier Hauptvertretern. Es gibt noch einige andere, das sind aber Exoten, die im wahren Leben nur sehr selten vorkommen.

 

Das haben alle gemeinsam

Alle Saxophone sind Rohrblattinstrumente. Das heißt, der Ton entsteht, indem ein Rohrblatt, das am Mundstück befestigt ist, in Schwingung versetzt wird. Das passiert, wenn der Spieler ins Mundstück bläst.

Alle Saxophone werden gleich gegriffen. Den notierten Ton F beispielsweise greife ich auf dem Sopransaxophon genauso wie auf dem Alt-, Tenor- oder Baritonsaxophon. Das heißt nicht, dass auch der gleiche Ton erklingt.

Alle Saxophone werden im Violinschlüssel notiert.

Alle Saxophone haben grundsätzlich den gleichen Tonumfang. Damit meine ich die Anzahl der Töne, nicht deren Lage.

Alle Saxophone sind transponierende Instrumente. Was bedeutet das? Wenn ein Saxophonist zum Beispiel ein C greift, klingt kein C, sondern entweder ein Bb oder ein Eb. Das hängt davon ab welches Saxophon er spielt.

Ein Beispiel: Ein Tenorsaxophonist greift auf seinem Instrument ein C. Ein Pianist will nun den gleichen Ton spielen. Er muss dann beim Klavier auf die Bb-Taste drücken. Greift ein Altsaxophonist dagegen ein C, muss der Pianist auf die Eb-Taste drücken, wenn er den selben Ton spielen will.

Die Saxophone im einzelnen

Das Sopransaxophon

Tonumfang: As – es’’’

Stimmung: Bb

Merkmale und Besonderheiten

Das Sopran ist das höchste der vier Hauptvertreter.

Es ist in der Regel gerade, während alle anderen Saxophone gebogen sind. Warum in der Regel? Es gibt auch gebogene Sopransaxophone und solche, die lediglich einen gebogenen S-Bogen besitzen. Wegen der geraden Form verwechseln Laien es manchmal mit einer Klarinette.

Es wird häufig ohne Gurt gespielt.

Im Vergleich zu anderen Saxophonen, ist es schwieriger zu intonieren, und die hohen Töne zu produzieren, kann manchmal recht knifflig sein.

Im Einsatz

Wer schon einmal Stings Englishman in New York gehört hat, weiß wie toll Sopransax in einem Pop-Kontext klingen kann – der Saxophonist ist übrigens Branford Marsalis.

Saxophonist Kenny G stellte mit dem Sopransax in den 90ern einen Weltrekord für den längsten gespielten Ton auf einem Saxophon auf – ja, der musikalische Wert eines solchen Rekords ist eher fraglich.

Wer sich das Instrument in einem Jazzkontext anhören möchte kommt an diesen Jungs nicht vorbei: Sydney Bechet (alter New Orleans Jazz), Wayne Shorter, Dave Liebman, Branford Marsalis (auch ein toller klassischer Interpret), Bill Evans (Achtung beim Googeln, es gab einen berühmten Jazzpianisten gleichen Namens!).

Viele Tenorsaxophonisten spielen das Sopran als Zweitinstrument, da es ebenfalls in Bb gestimmt ist, aber genau eine Oktave höher klingt.

Im Saxophonsatz einer Big Band muss dagegen der erste Altist immer mal wieder zum Sopran wechseln.

Das Altsaxophon

Tonumfang: des – as’’

Stimmung: Eb

Merkmale und Besonderheiten

Das Altsaxophon ist mit Abstand das beliebteste Einsteigerinstrument. Es ist mit etwa 2,5 kg vergleichsweise leicht, recht kompakt, erschwinglich in der Anschaffung und bereitet keine besonderen Schwierigkeiten beim erlernen.

Im Einsatz

Neben dem Tenor kommt es im „wahren Leben“ am häufigsten vor.

Viele Saxophonsolos in Pop-Produktionen wurden und werden auf dem Alt gespielt. Die älteren kennen sicher noch Billy Joels „Just the way you are“ oder Baker Street von Gerry Rafferty.

Einer der wichtigsten Jazzmusiker, Charlie Parker, war Altsaxophonist. Und Mr Funk himself, Maceo Parker, spielt ebenfalls Alt.

In Big Bands entspricht das erste Alt etwa der ersten Geige eines klassischen Orchesters.

In Saxophonsätzen oder Ensembles spielt es in der Regel die erste Stimme und führt damit den Satz. Man spricht dann auch vom Lead-Alt.

Das Tenorsaxophon

Tonumfang: As – e’’

Stimmung: Bb

Merkmale und Besonderheiten

Das Tenorsaxophon eignet sich auch für den Einstieg, ist aber bei Anfängern lange nicht so verbreitet wie das Alt. Das mag daran liegen, dass das Tenor mit etwa 3,5 kg etwas schwerer ist. Durch seine Größe ist es nicht ganz so handlich, und in der Anschaffung ist es etwas teurer.

Im Einsatz

Was den Sound angeht, ist das Tenor wohl das wandlungsfähigste Saxophon.

Der Tonumfang reicht vom Bassbereich bis in den Diskant – bedeutet: man kann damit sowohl tief als auch hoch spielen. Dadurch ist es sehr vielseitig einsetzbar.

Viele, wenn nicht die meisten bekannten Sax-Melodien, Riffs und Solos in Rock und Pop wurden und werden auf dem Tenor gespielt. Einige Beispiele: Your Latest Trick (Dire Straits), Smooth Operator (Sade), Who can it be now (Men at work), Careless Whisper (George Michael) – wurde tiefer aufgenommen und dann schneller abgespielt.
Oder ein paar neuere: Edge Of Glory (Lady Gaga), Last Friday (Katy Perry), Mr. Saxobeat, Jubel.

Im Bereich Funk, Soul und Latin hat es seinen festen Platz in den Bläsersätzen.

Im Saxophonsatz einer Big Band ist es für die mittleren Stimmen zwischen Alt und Bariton zuständig.

Die Liste wichtiger und berühmter Jazztenoristen ist schier endlos. Eine kleine Auswahl: Lester Young, John Coltrane, Sonny Rollins, Stan Getz, Michael Brecker, Bob Mintzer, Chris Potter…

Das Baritonsaxophon

Tonumfang: Des – as’

Stimmung: Eb

Merkmale und Besonderheiten

Das Baritonsaxophon ist das tiefste unserer vier Kandidaten.

Der S-Bogenhat nicht die Form eines S sondern einer ganzen Schleife.

Einige Modelle besitzen eine Tief-A-Klappe, die den Tonumfang um einen Halbton nach unten erweitert.

Aufgrund des Gewichts von 5-6 kg spielt man das Bariton besser nicht mit einem einfachen Halsgurt, sondern mit einem Brustgurt oder einem anderen alternativen Gurtsystem.

In der Anschaffung ist das Bariton mit Abstand das teuerste.

Im Einsatz

Das Bariton ist vor allem ein Satzinstrument. Den Bläsersatz der legendären Funk- und Soulband Tower of Power hat es geradezu geprägt – der Baritonsaxophonist der Band, Stephen Kupka, ist übrigens Gründungsmitglied und heute, nach über 40 Jahren, immer noch dabei.

Im Jazz findet man es auch als Soloinstrument. Gerry Mulligan, Ronnie Cuber, John Surman sind zum Beispiel Baritonsaxophonisten. Nicht zu vergessen eine der bekanntesten Baritonsaxophonistinnen: Lisa Simpson – und das mit nur vier Fingern pro Hand 🙂

Im Saxophonsatz einer Big Band oder in einem Saxophonquartett bildet es das unverzichtbare Fundament. Gerade Amateur- Big Bands und Saxophonensembles sind immer auf der Suche nach Baritonisten. Wer als Saxophonist gern im Satz spielt und nicht gerne auf Wartelisten steht, sollte sich also mal überlegen, ob er sich nicht ein Bari-Sax zulegt.